Ausstellung "Gemalte Gebete. Bedrohte Wandmalereien in Synagogen der ukrainischen Bukowina"
20. November 2025 - 30. April 2026
Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Universitätsstraße 33, 50931
Die Ausstellung „Gemalte Gebete“ präsentiert die Wandmalereien in Synagogen der ukrainischen Bukowina und thematisiert die Bedrohung und Zerstörung von Kulturgütern durch den Krieg. Sie dokumentiert zugleich die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit bei der Bewahrung des jüdischen Kulturerbes in der Ukraine.
Eröffnungsfeier
20. November 2025, 18.00 Uhr
Foyer der Universitätsbibliothek Köln
Programm:
- Grußwort von Dr. Hubertus Neuhausen (Direktor der USB)
Prof. Dr. Aleksandra Lipińska (Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln) - Talkrunde mit Prof. Dr. Matthias Lehmann (Martin-Buber Institut für Judaistik Universität zu Köln), Prof. Eugeny Kotlyar (Lehrstuhl für Monumentalmalerei der staatlichen Akademie für Design und Kunst in Charkiw) und Mykola Kurschnir (Museum für die Geschichte und Kultur der bukowinischen Juden in Czernowitz)
- Empfang mit kühlen Getränken
Zur Ausstellung
Die Ausstellung präsentiert Wandmalereien ausgewählter Synagogen im ukrainischen Teil der Bukowina. Sie basiert auf den langjährigen kunsthistorischen Forschungen von Eugeny Kotlyar und auf einer neuen fotografischen und digitalen 3D-Dokumentation, die sowohl die Vielfalt und künstlerische Bedeutung dieser Malereien als auch die Bedrohung dieses bedeutenden kulturellen Erbes der jüdischen Bevölkerung in der Bukowina sichtbar machen. Die historischen Bauwerke werden vor dem Hintergrund der jüdischen Geschichte und Kultur der Region vorgestellt.
Die Ausstellung hat einen ausgeprägt multimedialen Charakter: Die Fotografien werden durch historisches Bildmaterial, Rekonstruktionszeichnungen und erläuternde Texte ergänzt, die unter anderem die Symbolik der Synagogenwandmalereien erklären und die bedeutende Persönlichkeiten jüdischer Kultur der Bukowina vorstellen. Ein besonderes Highlight ist die 3D-Aufnahme der Synagoge in Nowoselitza, die im Rahmen eines Dokumentationsprojekts entstanden sind – in Kooperation mit dem Architekturinstitut der Hochschule Mainz und der ukrainischen Firma Skeiron. Zudem werden Aufnehmen gezeigt, die das Studium und die künstlerische Aneignung der Wandmalereien durch Studierende der staatlichen Akademie für Design und Kunst Charkiw dokumentieren.
Die Ausstellung ermöglicht einen ganzheitlichen Blick auf die osteuropäische Tradition der Synagogenwandmalerei und ihre regionalen Besonderheiten. Eine eingehende Analyse von Ikonographie, Semantik und künstlerischer Gestaltung eröffnet den Besucher*innen einen Zugang zum tiefen spirituellen Gehalt und zum sozialen Wert dieses kulturellen Erbes des osteuropäischen Judentums – eines Erbes, das durch den Holocaust und die autoritären Nachkriegsregime weitgehend zerstört wurde und im Zuge des aktuellen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine erneut gefährdet ist.
Institutionelle Veranstalter*innen und Förder*innen
- Kunsthistorisches Institut, Universität zu Köln
- Martin-Buber-Institut für Judaistik, Universität zu Köln
- Institut für Kunstgeschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München
- Netzwerk Kulturgutschutz Ukraine
Autor*innen
- Prof. Dr. Stephan Hoppe, Institut für Kunstgeschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München
- Prof. Eugeny Kotlyar, Lehrstuhl für Monumentalmalerei der staatlichen Akademie für Design und Kunst
- Charkiw Mykola Kuschnir, Museum für die Geschichte und Kultur der bukowinischen Juden in Czernowitz
- Dr. Jan Lutteroth, Architekturinstitut der Hochschule Mainz und Herder Institut für historische Ostmitteleuropaforschung Marburg
- Dr. Andreas Pfützner, Martin-Buber-Institut für Judaistik, Universität zu Köln
Oksana Kozyr-Fedotov (Übersetzung)
In Zusammenarbeit mit: Prof. Dr. Matthias Lehmann, Martin-Buber-Institut für Judaistik, Universität zu Köln
Kuratorin: Prof. Dr. Aleksandra Lipińska, Kunsthistorisches Institut, Universität zu Köln
Begleitprogramm: Vorträge
- 24.11.2025 | 18.00 Uhr
Prof. Eugeny Kotlyar (Leiter des Lehrstuhls für Monumentalmalerei der staatlichen Akademie für Design und Kunst in Charkiw)
Eastern European Tradition of Synagogue Decorations: From Oblivion to Discovery
Veranstaltungsort: Kunsthistorisches Institut, Universität zu Köln, An St. Laurentius 8, 50931 Köln
Wir bitten um eine Anmeldung unter: kschliewsmail.uni-koeln.de
- 15.12.2025 | 17-19 Uhr
Dr. Andreas Pfützner (Martin-Buber-Institut für Judaistik, Universität zu Köln)
Antisemitismus in der Bukowina der Zwischenkriegszeit: Die Ermordung David Falliks
Veranstaltungsort: Martin-Buber-Institut für Judaistik, Kerpener Str. 4, 3. OG- Im Jahr 1926 kam es in Czernowitz zu einem bedeutsamen Ereignis, das unter normalen Umständen wahrscheinlich unbemerkt geblieben wäre: Ein rumänischer Geschichtslehrer wurde von enttäuschten Abiturkandidaten nach einer missglückten Prüfung angegriffen. Dieses an sich banale Ereignis im lokalen Raum nahm im Rumänien der Zwischenkriegszeit jedoch enorme Ausmaße an, da es sich bei den Schülern um Ukrainer, Deutschen und auch Juden handelte. Der Konflikt nahm tragische Ausmaße an, als ein junger Jude namens David Fallik, der als Auslöser der Misshandlung galt, im Zuge des folgenden Gerichtsprozesses von einem jungen rumänischen Antisemiten ermordet wurde. Für die Bukowiner Judenschaft markierte dieses Ereignis das Ende der rechtsstaatlichen Sicherheit, die sie unter den Habsburgern genossen hatten. Nun, im Großrumänien der Zwischenkriegszeit, war es Ausdruck des Übergangs vom Antisemitismus des Worts zum Antisemitismus der Tat und des Aufstiegs des Faschismus.
- Der Vortrag wird auf Zoom übertragen: https://uni-koeln.zoom.us/j/92508979474?pwd=nuyIYDIFFvJOeQuiWNhwRxNFaIWXLB.1 (Kennwort: 516561)
- 12.01.2026 | 15-17 Uhr
Prof. Dr. Jana Osterkamp (Bukowina-Instituts, Verflechtungsgeschichte Deutschlands mit dem östlichen Europa, Universität Augsburg)
Veranstaltungsort
Martin-Buber-Institut für Judaistik, Kerpener Str. 4, 3. OG
- 19.01.2026 | 17-19 Uhr
Prof. Andrei Corbea-Hoișie (Professur für deutsche Literatur, Universität Iasi, Rumänien)
Veranstaltungsort: Raum 3.006, Universitätsstr. 41, 3. OG
Einlass
Selbstverständlich können Sie die Ausstellung auch ohne Bibliotheksausweis besuchen. Wenden Sie sich in diesem Fall bitte an das Personal an der Eingangskontrolle.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist während der regulären Öffnungszeiten zugänglich:
- Montag–Freitag | 8.00–22.00 Uhr
- Samstag–Sonntag | 8.00–21.00 Uhr